Nach dem Hype um Jürgen Klopp und seinen XXL-Kader bei der Männer-Nationalmannschaft starten die deutschen Fußballerinnen quasi als Gegenentwurf in ihre WM-Saison. Vor den beiden Heim-Länderspielen gegen Australien und Japan war der Medienandrang beim Training in Eppelheim überschaubar. In aller Ruhe – der größte Aufreger ist der Ausfall von Kapitänin Giulia Gwinn – und mit der Gewissheit, zur Weltspitze zu gehören, kann Bundestrainer Christian Wück seiner Arbeit nachgehen.
DFB-Frauen: Wück erklärt Unterschied zu Klopps Situation
„Man darf die Situation bei Jürgen Klopp nicht mit unserer vergleichen, weil er neu anfängt, die Spieler kennenlernen möchte. Das ist eine komplett andere Situation, als ich sie jetzt vorfinde mit meinem Trainerteam, mit meinem Kader“, erklärte der 53-Jährige in seiner typisch unaufgeregten Art.
Nummer drei der Weltrangliste
Die DFB-Frauen liegen vor den Länderspielen gegen Australien am Freitag (20.30 Uhr/ZDF) in Karlsruhe und gegen Japan am kommenden Dienstag (17.45 Uhr/ARD) in Bremen auf Rang drei der FIFA-Weltrangliste. Hinter Weltmeister Spanien und den USA, noch vor Europameister England. Nichts, was dem EM-Halbfinalisten von 2025 auf dem Platz wirklich weiterhilft.
Dennoch ist die Lage eher entspannt. „Wir haben das Vertrauen in die Mannschaft, dass wir nicht nur mithalten können, sondern dass wir irgendwann auch mal Spanien und England schlagen können.“ Die WM-Vorrunden-Blamage in Australien 2023 – noch unter Martina Voss-Tecklenburg – liegt weit zurück.
DFB-Frauen: Olympia-Qualifikation als nächste Herausforderung
„Wir hatten über Olympia-Bronze, Halbfinale der Europameisterschaft, zweiter Platz in der Nations League, wo wir Spanien lange Zeit Kontra bieten konnten, eine recht erfolgreiche Zeit. Und das wollen wir jetzt natürlich fortsetzen“, sagte Nia Künzer, die DFB-Direktorin Frauenfußball, bei MagentaSport.
Nach der Qualifikation für die WM in Brasilien (24. Juni bis 25. Juli) wolle man „das nächste Dreivierteljahr gut nutzen, um dann sehr gut vorbereitet zu sein“. Auf dem Weg dorthin und auf der Suche nach weiteren außereuropäischen Gegnern plant Wück für Ende November noch einen Amerika-Trip. Im Frühjahr steht die Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028 an.
Wück will nun in die Detailarbeit gehen, um „dann irgendwann für die WM gewappnet zu sein“. Im Gegensatz zu Klopps Lage ist sein Kandidatenkreis für das Nationalteam überschaubar. „Ich glaube, dass wir das Gerüst gefunden haben. Das besteht eigentlich schon seit nach der EM. Wir wollen aber sukzessive Spielerinnen die Möglichkeit geben, unseren Kader zu erweitern“, erklärte der Chefcoach.
DFB-Kader: Baum und Wamser als Kandidatinnen im Blickpunkt
Das gilt zum Beispiel für Neuling Lisa Baum: Die 19-jährige Angreiferin überraschte im Sommer nicht nur mit ihrem 600.000-Euro-Ablöse-Transfer von RB Leipzig zum FC Arsenal, sondern spielt in der Women’s Super League auch regelmäßig. Sie könnte ihr Debüt geben. Gleich sechs Spielerinnen aus der WSL stehen im Kader. Insgesamt elf, die bei einem ausländischen Club unter Vertrag stehen. Sie alle können sich nur für die WM empfehlen, wenn sie bei ihren Vereinen zum Einsatz kommen. „Es gibt im Fußball eine Währung, und das ist Spielzeit. Die Spielzeit ist das, was am wertvollsten ist“, warnte Wück.
Carlotta Wamser ist ein weiteres nach England gewechseltes Toptalent, das rasch bei Meister Manchester City Fuß fasste. Die Ex-Leverkusenerin könnte für den verletzten Bayern-Star Giulia Gwinn (Außenrandriss im Sprunggelenk) als Außenverteidigerin auflaufen.
(dpa)




